Schlammlawine: Heavy-Metal-Festival Partysan vor Standortwechsel

  • Nach dem jüngsten Schlamm-Festival ist unklar, wohin die Wege der Partysan-Gemeinde führen. Foto: Thomas Müller Nach dem jüngsten Schlamm-Festival ist unklar, wohin die Wege der Partysan-Gemeinde führen. Foto: Thomas Müller
Das Partysan-Festival und seine Gäste wurden in diesem Jahr nahezu vom Erdboden verschluckt. Das hätte um ein Haar dazu geführt, dass die Veranstaltung am Freitagabend ihren Abbruch erlebt hätte.
Bad Berka. Die anfängliche Zuversicht der Veranstalter war fast aufgebraucht, nachdem der Dauerregen Schlammlawinen aus dem Wald nördlich der Open-Air-Wiese gespült und Zelte mehrerer Gäste unter sich begraben hatte. "Wir standen kurz davor, abzubrechen", sagte Mario Flicke gestern, "haben es dann aber doch durchgezogen." Der geordnete Rückzug wäre um einiges komplizierter gewesen.

  • Die meisten Partysan-Fans sind Schlamm gewohnt. So schlimm wie dieses Jahr war es allerdings noch nie. Foto: Thomas Müller Die meisten Partysan-Fans sind Schlamm gewohnt. So schlimm wie dieses Jahr war es allerdings noch nie. Foto: Thomas Müller
Womöglich wird das Partysan vor den Toren Bad Berkas überhaupt nicht mehr auftauchen. Flicke und Partner Jörg Leuthardt fühlen sich nicht nur im Regen stehen gelassen, sie überlegen, das nächste Festival andernorts auszurichten. Angesichts des Notstands hätten sie sich gewisses Entgegenkommen benachbarter Feuerwehren und der Agrargenossenschaft Bad Berka erhofft, von der sie die abgesoffene Wiese gemietet hatten.

Stattdessen seien sie mit der Mahnung konfrontiert worden, dass Hilfe teuer werde. "Wir baten die Agrargenossenschaft um eine weitere Wiese als Notparkplatz, wurden aber als erstes beschieden: 'Das kostet aber'."

Um so dankbarer waren die Veranstalter für die unkomplizierten Handreichungen, die ihnen die Großobringer Gromatec gewährte. Der Landtechnikanbieter schickte unverzüglich drei Schlepper samt Personal nach Tiefengruben.

  • Der Sänger Philipp ?Freki? Seiler der Metalband Varg. Foto: Thomas Müller Der Sänger Philipp ?Freki? Seiler der Metalband Varg. Foto: Thomas Müller
Nicht nur die Festival-Mannschaft war nach dem Wochenende ernüchtert. Fassungslos blickte gestern der Vorsitzende der Agrargenossenschaft über das Open-Air-Gelände: Ein Großteil ist Pachtland des Agrarbetriebes. Das Landwirtschaftsamt habe seine Zustimmung, die Fläche fürs Partysan zu nutzen, unter der Bedingung gegeben, dass der Zustand hinterher wieder jenem zuvor entspricht, sagt Karl-Otto Schreivogel. Wie das kurzfristig machbar sein soll, ist ihm ein Rätsel. "Das Gras, was noch da ist, könnte sich wohl nur durch ein Wunder erholen", fürchtet der Tannrodaer.

Die mögliche Konsequenz: die komplette Neu-Ansaat. Das aber könnte bedeuten, dass die Agrargenossenschaft ihre Grünland-Förderung durch die EU aufs Spiel setzt. Schließlich wird der Zuschuss normalerweise nur gewährt, wenn die Wiesen im Bestand erhalten bleiben. Das Landwirtschaftsamt solle nun für Klärung sorgen. Überdies sieht Schreivogel den Festival-Veranstalter in der Pflicht, für die Wiederherstellung des Grünlandes aufzukommen.

  • Das Partysan gehört bei vielen Metalfans fest in den Terminkalender. Foto: Thomas Müller Das Partysan gehört bei vielen Metalfans fest in den Terminkalender. Foto: Thomas Müller
Mario Flicke war gestern schon wieder gefasst - nachdem seine Partysanen die Straßen um die Einfahrt zur Schlamm-Arena im Umkreis von 1.500 Metern vom gröbsten Dreck befreit hatten. Dennoch wird das Festival 2010 nicht ohne Nachwirkungen bleiben. Flicke und Leuthardt wollen jetzt selbst Klarheit darüber gewinnen, ob sie sich für die nächste Runde nicht besser einen anderen Schauplatz suchen sollten - mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht im Weimarer Land. Die Vorstellung davon, unter welchen Bedingungen künftig auf der Wiese der Agrargenossenschaft gefeiert werden könnte, scheinen auseinander zu laufen. Flickes Bedingung ist die Befestigung der wichtigsten logistischen Punkte auf dem Gelände. "Ich bin nicht bereit, meine Crew weiterhin dieser Gefahr auszusetzen." Für ihn wäre es ein Abschied in Schmerzen: Er wolle, sagt er, aus Bad Berka eigentlich nicht weg.


Sabine Brandt/Jens Lehnert / 17.08.10 / TA
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Kommentare
19.08.10 - 17:14
M.K.
Es ist zum Schreien mit diesem V....!!! Agrar-Genosse Karl Otto Schreivogel vielleicht ist es Zeit für sie sich zu verabschieden ( Ruhestand) dann können sie ja zusammen mit einem medienbekannten Stadtrat die beiden Rentner von der Muppet-Show auf dem Bad Berkaer Rathausbalkon spielen ! Angesichts so mancher Schlammspur seiner Traktorenflotte auf den Straßen sollte er doch "ganz kleine Brötchen backen" !!!! bzw. kann er froh sein das da noch keine schlimmen Unfälle entstanden sind.
17.08.10 - 13:13
Herr Vorragend
...ich kann mich nur anschliessen!wahrscheinlich ist die EU Förderung zu hoch,oder auch nicht?Reine Geldgier und Verantwortungsunbewusstsein, dem Veranstalter die Neuaussaat der "Futterwiese" einfach gesagt in Rechnung zu stellen.Dauerregen steht bei keinem Festival im Veranstaltungskalender und ist höhere Gewalt!Das Party San als regionales einzigartiges und wirtschaftstreibendes Fest zu sehen ist wahrscheinlich in den Köpfen der Agrargenossenschaft nicht nötig!Geht das Party San, so stirbt ein Teil friedliche Kultur und ein Stück Bad Berka
17.08.10 - 12:45
reiner988
Typisch, das Hat die Agrargenossenschaft ja mit Hohenfelden (Highfield) auch geschafft.
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