Bau-Symposium der Uni Weimar rief auch Kritiker hervor

  • Kritik: Die zurzeit von der Bauhaus-Universität geführte Diskussion über öffentlich-private Partnerschaften beim Bau ruft auch Kritiker auf den Plan. Foto: Christoph Heß
Über 700 Experten öffentlicher Verwaltungen, von Bauwirtschaft, Verbänden, und Banken diskutieren seit Mittwoch in der Weimarhalle über öffentlich-private Partnerschaften beim Bauen allerdings nicht ohne Entgegnungen von draußen.
Weimar. Zum zehnten Mal richtet die Bauhaus-Uni ihr "Betriebswirtschaftliches Symposium Bau" in Weimar aus. Im Kern des bundesweiten Expertentreffs stehen öffentlich-private Partnerschaften im Hoch- und Straßenbau.

Das grundlegende Prinzip solcher PPP-Modelle: Die öffentliche Hand plant ein Bauvorhaben und gibt dieses samt dem späteren Betrieb über mehrere Jahre an private Partner entweder, weil das eigene Geld dafür aktuell zu knapp ist oder aber, weil sich das Gesamtpaket gegenüber der Alternative, selbst zu bauen und zu betreiben, als wirtschaftlicher erweist.

Prominentestes Beispiel hierfür ist in Thüringen wohl die Autobahn-Umfahrung der Hörselberge. In Weimar kam das Modell erstmals nennenswert beim Bau der Polizei-Inspektion am Kirschberg zum Zuge. Auch die Bauhaus-Uni setzte bereits auf PPP bei der Sanierung des Prellerhauses. Für die geplanten Um- und Neubauten in der Coudraystraße 7 zieht die Uni ebenfalls eine solche Fremdfinanzierung in Betracht. "Beim Prellerhaus haben wir mit PPP nur gute Erfahrungen gemacht, sowohl bei der Termintreue als auch bei der Qualität", so Rektor Prof. Gerd Zimmermann.

Rund um die Weimarhalle fanden sich aber nicht nur Befürworter des Modells. Mit gut zwanzig Leuten taten attac und die Linke ihre Meinung gegen PPP kund mit Transparenten, einem "Irrweg" aus rund 20 Meter rotem Stoff und einem kostümierten Wolf im Schafspelz. "Solche Partnerschaften verlagern die Kosten für die öffentliche Hand lediglich in die Zukunft. Wir wollen deutlich machen, dass die Kommunen finanziell besser ausgestattet werden müssen, um selbst investieren zu können", sagte der Landtags-Abgeordnete Thomas Hartung .

Er befürchtet, dass angesichts knapper Weimarer Kassen womöglich die Diskussion Nahrung erhalte, den Verkauf der Schulen an die Wohnstätte rückgängig zu machen, die Häuser stattdessen direkt seitens der Stadt über PPP sanieren zu lassen und schließlich wieder über einen Verkauf der Wohnstätte nachzudenken.

Prof. Hans Wilhelm Alfen, PPP-Experte an der Bauhaus-Uni, versuchte derweil, Bedenken der Protestierenden auszuräumen. "PPP funktioniert nur dann, wenn es tatsächlich wirtschaftlicher ist. Ob es das ist, bedarf der gründlichen Prüfung", betonte er. Und ergänzte, dass bundesweit lediglich vier von 100 Euro, die in öffentliche Bauten fließen, über solche Modelle finanziert werden.


Jens Lehnert / 18.03.10 / TA
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